PRESSEMELDUNG DER BÜRGERSTIFTUNG DRESDEN

KulturLoge Dresden

Presseinformation zum Start des neuen Projektes der Bürgerstiftung Dresden

Einleitung

Idee und Ziel der KulturLoge Dresden ist es, Menschen mit geringem Einkommen eine lebbare und kostenfreie Möglichkeit zu bieten, wieder am kulturellen und gesellschaftlichen Leben ihrer Stadt teilnehmen zu können. Dies geschieht durch die Vermittlung von Restkarten für nicht ausverkaufte Veranstaltungen, die Kultur- und Sportveranstalter kostenlos zur Verfügung stellen. Gäste der KulturLoge Dresden können alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Dresden werden, die über ein geringes Einkommen verfügen.

Bedürftige sind Personen, die nur über ein Einkommen verfügen, das sich im Rahmen der Hartz-IV Gesetzgebung bewegt. Für die KulturLoge Dresden gelten die Bemessungsrichwerte zu den Einkommensgrenzen (brutto) der Dresdner Tafel. „Die "Dresdner Tafel" lehnt sich bei ihrer Definition von "Bedürftigkeit" an der Armutsgrenze an: Wer weniger als 930 EUR Monatseinkommen als Haushaltsvorstand oder Alleinerziehende(r) oder als Einzelperson hat (zuzüglich 250 EUR für jedes weitere Familienmitglied oder Kind im Haushalt) kann sich registrieren lassen (…).“

Darunter können fallen:
- Arbeitslosengeld I-Beziehende
- Arbeitslosengeld-II- Beziehende
- Grundsicherungsbeziehende
- Rentenbeziehende (Altersrente, Erwerbsminderungsrente…)
- Geringverdiener
- Selbstständige und Freiberufler
- Auszubildende & Studenten mit Dresden Pass
- Berechtigte nach Asylbewerberleistungsgesetz

Als Einkommensnachweise können vorgelegt werden:
- Bescheide für ALG I und ALG II
- Hartz IV-Bescheid für Kinder
- Einkommensteuerbescheid vom Finanzamt
- Lohnabrechnung (wenn man in einem Beschäftigungsverhältnis steht)
- Dresden-Pass oder Rentenbescheid

Der Nachweis muss bei einer Partnereinrichtung oder den Mitarbeiter(innen) der KulturLoge erbracht werden, damit die schriftliche Anmeldung mit Unterschrift durchgeführt werden kann.

Grundprinzipien und methodisches Vorgehen

Die KulturLoge arbeitet eng mit den örtlichen sozialen Initiativen und Beratungsstellen zusammen. Sie haben bereits Vertrauen zu unserer Zielgruppe aufgebaut, kennen die Menschen, ihre Verhältnisse und Probleme. Bei diesen Kooperationspartnern können Kulturgäste ihre Anmeldeformulare für die Kulturloge abgeben. Sie melden sich schriftlich an, legen dabei einen Einkommensnachweis vor, geben ihre kulturellen Vorlieben an und hinterlassen eine Telefonnummer. Die Angaben werden in einer Datenbank registriert.

Entspricht eine kulturelle Veranstaltung den angegebenen Vorlieben, rufen die ehrenamtlichen Mitarbeiter der KulturLoge Dresden dann persönlich die angemeldeten Gäste an und laden sie zu einer freien Kulturveranstaltung ein. Die Erfahrung (in anderen KulturLogen) zeigt, dass sich die Menschen durch die direkte telefonische Ansprache angenommen und erwünscht vorkommen. Die Möglichkeit der Mitnahme einer zweiten Person trägt ebenfalls zur sehr niedrigschwelligen Nutzung des Angebotes der KulturLoge bei. Die Karten werden auf den Namen des Interessenten an der Abendkasse hinterlegt. Dort kann unser Gast sie abholen, als hätte er sie im Vorverkauf erworben.

Es besteht für den einzelnen Gast kein Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Vermittlungen oder eine persönliche Auswahl von kulturellen Veranstaltungen. Individuelle Wünsche werden im Rahmen der Möglichkeiten berücksichtigt. Die Gäste erhalten auf Wunsch auch einen weiteren Platz für die gleiche Veranstaltung und können somit eine Person ihrer Wahl mitnehmen. Die Veranstalter erhalten von der KulturLoge dann eine Liste mit den eingeladenen Gästen, welche an der Abendkasse hinterlegt wird. Dadurch entfällt der Nachweis der Bedürftigkeit am Ort der Kulturveranstaltung und die freien Plätze sind in jedem Fall garantiert. Die Gäste sind verpflichtet ggf. ihren Personalausweis an der Abendkasse vorzulegen.

Partner – die Kulturveranstalter

Nach dem Tafel-Prinzip sollen zahlreiche Dresdner Kulturveranstalter kostenlos Restplätze zur Verfügung stellen, die sonst nicht belegt wären. Die Anzahl der freien Plätze variiert von Veranstaltung zu Veranstaltung und wird von den Institutionen nach eigenem Ermessen selbst festgelegt. Für die Partner besteht der Vorteil, dass sie über die KulturLoge ihre Auslastung verbessern und gleichzeitig neue Zielgruppen ansprechen können. Die Kulturveranstalter haben somit eine Gelegenheit, sich auf innovative Weise im sozialen Bereich zu engagieren. Als Kooperationspartner kommen alle Kulturveranstalter der Stadt Dresden in Frage, unabhängig von deren Größe, Genre oder Trägerstruktur. Das Angebotsspektrum soll breit gefächert sein – zum Beispiel: Oper, Theater, Kabarett, Lesungen, Museen, Klassische Musik u.v.m.

Nachfolgende Kulturinstitutionen haben ihre Kooperation als KulturPartner zugesagt:
- Alte Feuerwache Loschwitz – Kunst- und Kulturverein e.V.
- Brücke/Most-Stiftung
- Comödie Dresden
- Diakonisches Werk Stadtmission Dresden e.V.
- Dresdner Kabarett Breschke & Schuch
- Dresdner Kabarett Die Herkusleskeule GmbH
- Förderverein Putjatinhaus e.V.
- FrauenBildungsHaus Dresden e.V.
- Grandmontagne Music
- HATIKVA – Bildungs- und Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur Sachsen e.V.
- Jazztage Dresden gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)
- Johannstädter Kulturtreff e.V.
- JohannStadthalle e.V.
- Klazz Brothers
- Künstlervereinigung blaue Fabrik e.V.
- Medienkulturzentrum Dresden e.V.
- Mimenstudio Dresden e.V.
- riesa efau. Kultur Forum Dresden e.V.
- Sächsische Gesellschaft für neue Musik e.V.
- Sächsischer Musikbund e.V.
- Scheune e.V.
- Sowieso Frauen für Frauen e.V.
- Societaetstheater
- Staatsschauspiel Dresden
- Städtische Bibliotheken Dresden
- Theaterkahn, Dresdner Brettl gGmbH
- TheaterRuine St. Pauli

SportPartner:
- Dresden Monarchs e.V.
- Dresdner Eislöwen Eishockeyclub
- Dresdner Sportclub 1898 Volleyball GmbH
- SG Dynamo Dresden e.V.

Die Zusammenarbeit mit den Kultureinrichtungen und Sportpartnern zur Vermittlung von Plätzen kultureller oder sportlichen Veranstaltungen an Menschen mit geringem Einkommen ist mit jedem Veranstalter individuell durch Vereinbarung zu regeln. Die KulturLoge vermittelt Plätze ausschließlich an die Gäste der KulturLoge und erbringt ihre Vermittlungsleistung für die Veranstalter kostenlos.

Soziale Partnerorganisationen und Anlaufstellen

Um Gäste für die KulturLoge zu gewinnen, ist es notwendig mit den sozialen Einrichtungen zusammen zu arbeiten, bei denen Menschen mit geringem Einkommen häufiger anzutreffen sind. Die kooperierenden sozialen Einrichtungen informieren und motivieren potentielle Gäste, also Menschen mit geringem Einkommen ihrer Klientel, sich bei der KulturLoge anzumelden. Dazu schließen beide Seiten eine Kooperationsvereinbarung ab. In dieser werden auch die jeweiligen Ansprechpartner/innen namentlich benannt. Die sozialen Einrichtungen erhalten von der KulturLoge Dresden alle nötigen Informationen und Unterlagen, Plakate und Anmeldeflyer.

Die SozialPartner der KulturLoge Dresden stellen den Menschen in ihren Einrichtungen das kulturelle Angebot der gemeinnützigen Initiative vor und nehmen Anmeldungen entgegen. Diese Anlaufstellen sollten zentral und verkehrsgünstig gelegen sein und kundenfreundliche Öffnungszeiten haben. Bisher konnten 14 SozialPartner gewonnen werden. Diese sind, zum Teil mit mehreren Anlaufstellen, über das gesamte Stadtgebiet von Dresden verteilt:

1. Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Dresden e.V.
2. Bürgerinitiative Dresden-Prohlis e.V.
3. Caritasverband für Dresden e.V.
4. Deutsches Rotes Kreuz, Kreisverband Dresden e.V.
5. Diakonisches Werk Stadtmission Dresden e.V.
6. Dresdner Pflege- und Betreuungsverein e.V.
7. Dresdner Tafel e.V.
8. Förderverein Putjatinhaus e.V.
9. FrauenBildungsHaus Dresden e.V.
10. Jüdische Gemeinde Dresden
11. Nachbarschaftshilfeverein e.V., Gorbitz
12. riesa efau. Kultur Forum Dresden e.V.
13. sowieso - Frauen für Frauen e.V.
14. Volkssolidarität Dresden e.V.

Nachhaltigkeit und Erfolgszahlen

Kulturloge Marburg, gegr. 02.2010: 42 Kulturpartner, 680 Kulturgäste (darunter 230 Kinder), 1.720 vermittelte Plätze, Quelle: www.kulturloge-marburg.de/presse/2011_02_08_OP.pdf

Kulturloge Berlin, gegr. 04.2010: 70 Kulturpartner, 4500 Kulturgäste, ca. 1.200 vermittelte Plätze pro Monat, Quelle: www.kulturloge-berlin.de/publikationen.phtml

Kulturraum München, gegr. 12.2010: 68 Kulturpartner, 132 Sozialpartner, 1.286 Kulturgäste, 4.445 vermittelte Plätze, Quelle: www.kulturraum-muenchen.de

Kulturloge Leipzig, gegr. 05.2012: 13 Kulturpartner, 8 Sozialpartner, 100 Gäste 100 vermittelte Plätze, Quelle: Herr Reiner, Geschäftsführer

Weiterführende Informationen:
Institut für Kulturpolitik – Hildesheim 2011, Thomas Renz & Prof. Dr. Birgit Mandel: Die Evaluation der Kulturloge Berlin, kulturvermittlung-online.de/pdf/renz_mandel_die_evaluation_der_kulturloge_berlin_2011.pdf

Masterarbeit im Fernstudiengang Kultur- und Medienmanagement, Thema: Geringverdiener als Publikum in Hamburger Kulturinstitutionen – Die Kulturloge Hamburg als Marketingdienstleister, Autorin: Christine Rißmann, Download unter: www.kulturloge-berlin.de/publikationen.phtml

Team und Infrastruktur

Um diese Idee umzusetzen, braucht es in erster Linie ein Team aus engagierten, kulturbegeisterten und kommunikationsfreudigen Menschen. Bei der Bürgerstiftung Dresden wird eine Personalstelle (Frau Frank) mit Arbeitsplatz und Infrastruktur für die Projektleitung zur Verfügung gestellt.

Die Aufgaben und Tätigkeiten der KulturLoge werden darüber hinaus überwiegend durch den Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen erledigt. Unter anderen wird über die Freiwilligenagentur „Treffpunkt Hilfsbereitschaft“ der Bürgerstiftung Dresden die Idee der KulturLoge an interessierte und engagierte Ehrenamtliche herangetragen.

Das Projekt wird von einem Trägerverbund mit folgenden Organisationen getragen: Bürgerstiftung Dresden, Büro für freie Kultur- und Jugendarbeit e.V. (Kulturbüro Dresden), Umweltzentrum Dresden e.V. und WIR e.V. Organisatorisch wird das Projekt „KulturLoge Dresden“ von der Bürgerstiftung Dresden getragen. Die KulturLoge ist politisch, kulturell und weltanschaulich unabhängig und baut Partnerschaften mit anderen örtlichen Initiativen und Trägern sozialer Aufgaben auf.

Bürgerstiftung Dresden
Die Bürgerstiftung Dresden wurde am 13. Januar 1999 als vierte deutsche Bürgerstiftung und erste in einer ostdeutschen Großstadt von Dresdner Persönlichkeiten aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft gegründet. Die Bürgerstiftung Dresden ist eine unabhängige, gemeinnützige Stiftung von Bürgern für Bürger.
Ihr Anliegen ist es, Menschen zusammenzuführen, die sich für ihre Stadt einsetzen und Mitverantwortung übernehmen wollen: mit Ideen, mit Engagement und letztendlich auch mit dem notwendigen Geld, um aus einer guten Idee ein erfolgreiches Projekt zu machen. Mit den Erträgen des Stiftungskapitals sowie mit Hilfe von Spenden und Drittmitteln konnten zahlreiche Kultur-, Jugend-, Sozial-, Bildungs- und Umweltprojekte in Dresden angestoßen und umgesetzt werden.

Büro für freie Kultur- und Jugendarbeit e.V. (Kulturbüro Dresden)
Der Verein „Büro für freie Kultur- und Jugendarbeit e.V.“ wurde 1993 als Zusammenschluss von kleinen Vereinen gegründet. Der Grundgedanke ist eine selbständige, eigenverantwortliche und demokratische Kultur- und Jugendarbeit zu fördern. Das Kulturbüro Dresden, dem 35 Mitgliedsvereine angehören, übernimmt Aufgaben in folgenden Bereichen:
- Förderung und Erhaltung einer pluralen Projektlandschaft in der Kultur- und Jugend-arbeit
- Entwicklung von Beteiligungs- und Partizipationsmöglichkeiten in allen Bereichen und für alle Gruppen der Gesellschaft (Kinder bis Senioren)
- Förderung sozialräumlicher Projekte, um demokratische Strukturen und soziale Kompetenzen der BürgerInnen Dresdens zu entwickeln und zu stärken.

Umweltzentrum Dresden e.V.
Gegründet wurde der Umweltzentrum Dresden e.V. im November 1990 von Menschen, die von der Idee begeistert waren, in der Dresdner Schützengasse ein Haus für die Umwelt zu schaffen. Der gemeinnützige und politisch unabhängige Verein ist Träger des Umweltzentrums Dresden. Eng verbunden mit dem Aufbau und dem Betreiben des Umweltzentrums ist das Engagement für die nachhaltige Entwicklung der Stadt Dresden. Dies findet seinen Ausdruck in vielfältigen Aktionen und Projekten.

WIR e.V.
Seit Januar 2005 betreibt der gemeinnützige Verein „WIR e.V.“ in der Dresdner Neustadt die Bürogemeinschaft „WIR AG“. Darin wirken mehrere Projekte, zum Beispiel die Vereinigung griechischer Bürger in Sachsen und den Afropa e.V..

Kontakt
KulturLoge c/o Bürgerstiftung Dresden
Frau Heidrun Frank
Tel.: 0351 - 315 81 19; Fax: 0351 - 315 81 81
E-Mail: info@kulturloge-dresden.de
Homepage: www.kulturloge-dresden.de

17.10.2012 11:00 Alter: 6 Jahre